Anwendungsvision
In Südostasien entstehen derzeit High-Tech-Städte, die von Grund auf als ubiquitäre Städte, sogenannte Smart Cities, geplant werden, wie etwa New Songdo City in Korea [1]. In solchen Städten finden sich IT-Systeme quasi überall: in Häusern, auf Straßen, in Bürogebäuden und in Autos. Für alle großen Informationssysteme (privater, medizinischer, geschäftlicher, industrieller oder verwaltungstechnischer Art) besteht zumindest die Möglichkeit, untereinander Daten auszutauschen. Smart Cities sind durch eine zukünftige Generation von intelligenten Softwaresystemen geprägt, die sich dadurch auszeichnen, dass sie überall zur Verfügung stehen und Nutzern nicht nur passiv Dienste zur Verfügung stellen, sondern diese aktiv und kontextbezogen bei anstehenden Aufgaben unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Smart-Living-Systeme zur Unterstützung älterer Menschen im täglichen Leben oder Smart-Working-Systeme zur Unterstützung der betrieblichen Abläufe im Unternehmen, aber auch Smart-Transportation-Systeme, Smart-Factory-Systeme und Smart-Energy-Systeme. Gerade die drei letztgenannten werden an den drei Standorten der NTH bereits teilweise recht intensiv erforscht. Solche Systeme sind dezentral organisiert und werden kombiniert mit lokaler Autonomie und einem hohen Grad an Mobilität bei den einzelnen Systemkomponenten, wie zum Beispiel intelligente Kleidung, PDAs, Handys und Fahrzeuge einer Smart City. Der industrielle Markt in diesem Segment ist bereits heute groß, wobei er weiter Potential für hohe Wachstumsraten bietet. Bisher wird er allerdings in weiten Teilen von Asien dominiert und durch die Schlagworte Ubiquitous Computing, Ambient Intelligence, Organic Computing und Smart Software Systems gekennzeichnet.
Smart Cities sind IT-Ökosysteme
Smart Cities sind eine in diesen Tagen Realität werdende Vision, die von Software-intensiven Systemen geprägt werden. Sie zeichnen sich aus durch ein Nebeneinander von selbstorganisierenden Systemen in bislang nicht gekanntem Ausmaß. Um das System als Ganzes beherrschen zu können und um überhaupt die gewünschte Gesamtfunktionalität sicherzustellen, ist zwingend für das notwendige Gleichgewicht der Einzelkomponenten zu sorgen. Smart Cities dürfen wahrscheinlich hinsichtlich Aspekten wie Komplexität oder Autonomie als typisch für IT-Systeme der Zukunft angesehen werden. Gerade für solche Systeme werden neue Lösungen zu Spezifikation, Entwurf und Validierung benötigt. Die gemeinsame NTH-School für IT-Ökosysteme von TUBS, TUC und LUH ist daher im Zentrum dieses hochaktuellen Technologiezweiges anzusiedeln. Die angestrebten neuen Theorien, Modelle, Algorithmen und Methoden werden bei Design und Implementierung einer ganzen Smart City als auch der einzelnen lokal autonomen Systeme Anwendung finden.

[1] Pamela L. O’Connell, Korea’s High-Tech Utopia, Where Everything Is Observed, The New York Times, 5. Oktober 2005